Was sind Schlafstörungen? Ursachen und Formen

Wusstet Ihr, dass Schlafstörungen in der heutigen Zeit, neben Kopfschmerzen, zu den häufigsten Beschwerden gehören sollen? Etwa jeder Fünfte soll heutzutage von Ein- und Durchschlafstörungen betroffen sein.

Viele haben Sie, aber kaum jemand redet ernsthaft darüber.

Vielleicht kennst Du das:

Gedanken kreisen im Kopf, Du wälzt Dich aufgeregt von einer Seite auf die andere. Du findest einfach nicht in den Schlaf, obwohl du todmüde bist.

Im Idealfall treten Schlafstörungen mal kurzzeitig auf und verschwinden dann wieder. Zur Qual werden sie nur, wenn sie die Lebensqualität, über längere Zeit, spürbar beeinträchtigen.

Schlaf dient der Erholung und Regeneration. Ist der Schlaf einmal gestört, kann es sein, dass Du die Folgen schon am darauffolgenden Tag deutlich spüren kannst.

Über die Funktionen des Schlafes kannst Du mehr in meinem Artikel „Warum müssen wir schlafen“ erfahren.

Aber Fakt ist, solltest Du bereits schon einmal an kurzfristig oder länger andauernden Schlafstörungen gelitten haben, wirst Du mir zustimmen, dass es vielleicht nichts vergleichbar Schlimmeres gibt, als sich machtlos und hilflos ausgesetzt gegenüber seinen Schlafstörungen zu fühlen.

Ich habe damals nur einen kleinen, aber folgenschweren Fehler begangen. Meine Schlafstörungen sind aufgetreten, als ich im Schichtdienst tätig war und insbesondere vor den Frühdiensten kein Auge zu bekommen habe.

Ich wurde ständig nachts wach. Ich versuchte zu zeitig ins Bett zu gehen, um auf meinen Schlaf zu kommen. Dabei war mein Körper noch gar nicht bereit, fürs Schlafen.

Der Fehler war, dass ich dem Schlaf viel zu viel Bedeutung zukommen lassen habe. Ich bin Sportler und ernähre mich gesund. Und für mich gehörte ausreichend Schlaf schon immer zu einem gesunden Lebensstil dazu. Es war ein Drama für mich, dass ich nicht mehr meinen Schlaf gefunden habe, den ich ja, wie ich dachte, unbedingt brauchte.

Ich hatte Angst zu wenig zu schlafen.

Jetzt fing ich an, mir Sorgen über meinen fehlenden Schlaf und dessen Auswirkungen zu machen.  Ich versuchte den Schlaf zu erzwingen, da ich meine nötige Regeneration durch das regelmäßige Training erreichen wollte. Außerdem wollte ich mich nicht mehr müde, schlapp und antriebslos fühlen. Ich wollte nicht mehr von Kollegen angesprochen, warum ich denn so müde aussehe.

Im Endeffekt habe ich mir damit mein Schlafproblem selbst kreiert. Bis ich das herausgefunden hatte, vergingen jedoch einige Jahre.

Ich probierte viele pflanzliche Heilmittel. Änderte zahlreichen Abendroutinen und probierte nahezu alle Methode der Entspannung aus, um endlich schlafen zu können.

Irgendwann halfen nur noch Schlaftabletten, dachte ich. Diese Dinger führten dazu, dass ich zunächst einschlief, mich aber am nächsten Tag noch schlimmer und noch unausgeschlafener fühlte. Und irgendwann war ich wieder am Anfang. Ich lag lange wach und wachte wieder nachts regelmäßig auf auf. Da haben die Pillen also auch ihre Wirkung verloren und ich fühlte mich endgültig der Situation ausgesetzt. Es war pure Verzweiflung.

Erst das Buch von Guy Meadows „Schlaf Gut“ hat mich zum Durchbruch gebracht. Mit Akzeptanz gelang es mir, meine Schlafstörungen kennenzulernen, zu beobachten und schlussendlich abzulegen.

Die genaue Methodik, wie ich meine Schlafstörungen besiegen konnte, lernst ausführlich in einem gesonderten Artikel kennen.

Jetzt klären wir erstmal, was Schlafstörungen eigentlich genau sind.

Was sind Schlafstörungen?

Bildquelle: pixabay.com

Laut der amerikanischen Gesellschaft für Psychiatrie sind chronische Schlafstörungen durch folgende Kriterien bestimmt:

  • Störung des Nachtschlafs über mehr als vier Wochen
  • Einschlafdauer beträgt länger als 30 Minuten
  • Gesamtschlafzeit ist kürzer als 6 Stunden
  • Beeinträchtigte Tagesempfindlichkeit

Entscheidend bei der Definition ist der Fakt, dass sich für den Betroffenen eine Beeinträchtigung der Befindlichkeit und Leistungsfähigkeit am Tage einstellt. Denn es soll durchaus Menschen geben, gerade ältere, die mit weniger als 6 Stunden Schlaf gut auskommen und trotzdem fit sind.

Formen von Schlafstörungen

Schlafstörungen lassen sich in folgende Gruppen einteilen:

  1. Insomnien
  2. Hypersomnien
  3. Parasomnien
  4. schlafbezogene Atmungsstörungen
  5. schlafbezogene Bewegungsstörungen
  6. zirkadiane Rhythmusstörungen

Insomnien

Bei der Insomnie, auch Ein- oder Durchschlastörung genannt, wird der Nachtschlaf als erheblich gestört empfunden. Sie ist die häufigste Form der Schlafstörungen. Die Nacht ist davon gekennzeichnet, dass der Betroffene entweder lange wach liegt oder mitten in der Nacht aufwacht und nicht mehr einschlafen kann. Die Folge dessen ist eine erhebliche Tagesmüdigkeit.

Hypersomnien

Bei der Hypersomnie liegt das Hauptproblem in der empfundenen Tagesmüdigkeit. Der Schlaf an sich wird hierbei nicht als gestört angesehen. Der betroffene schläft teilweise sogar bis zu 10 Stunden, fühlt sich tagsüber dennoch müde und ausgepowert.

Parasomnien

Bei den Parasomnien leidet Der Betroffene Im Schlaf z.B. unter Albträume, hastiges Kopfschleudern oder Zähneknirschen. Auch Schlafwandeln ist eine Form der Parasomnie.

schlafbezogene Atmungsstörungen

Wird durch den Schlaf, die unbewusst gesteuerte Atmung ungünstig beeinflusst, spricht man von schlafbezogenen Atmungsstörungen. Durch auftretende Muskelerschlaffung kann es beim Betroffen zu kurzzeitigem Atemstillstand kommen. Das Gehirn reguliert die Störung in der Regel schnellstmöglich. Ohne, dass der Betroffene davon bewusst etwas mitbekommt, kann sich mit der Zeit die gesamte Schlafstruktur ändern.

schlafbezogene Bewegungsstörungen

In der Regel ist der gesamte Muskelapparat Kopf abwärts während des Schlafens wie gelähmt. Missempfindungen in den Beinen können jedoch zu ungewolltem Bewegungsdrang führen, sog. Restless-Legs-Syndrom (RLS). Das Gefühl bessert sich, sobald der Betroffene die Beine bewegt. Weiterhin kann es nachts zu periodischen Bewegungen der Gliedmaßen kommen (Periodic Limb Movement Disorder – PLMD), die vom Betroffenen nicht bemerkt werden. Hierdurch kann auch eine erhebliche Störung des Schlafs eintreten.

zirkadiane Rhythmusstörungen

Störungen im Schlaf-Wach-Rhtythmus, also sog. zirkadiane Rhythmusstörungen, können z.B. durch Schichtarbeit und Jetlag ausgelöst werden. Die innere Uhr, die sich normalerweise an Hell und Dunkel orientiert, ist z.B. durch Nachtarbeit durcheinander gebracht. Der Schichtarbeiter schläft bei ständig wechselnden Arbeitszeiten auch zu ständig wechselnden Zeiten. Der Körper braucht in der Regel aber länger als solch eine Wechselschichtperiode dauert, um sich an einen neuen Rhythmus zu gewöhnen. Der Tagesschlaf nach einer Nachtschicht ist daher weniger erholsam und hat eine geringere Qualität.

Die sechs dargestellten Formen sollen Dir zunächst als Überblick dienen. In meinen folgenden Artikeln gehe ich noch näher auf die einzelnen Formen ein.

Kommen wir jetzt zu den Ursachen von Schlafstörungen.

Ursachen von Schlafstörungen

Die Ursachen von Schlafstörungen können sowohl einfach, als auch recht komplex sein. Sie zu erkunden und ausfindig zu machen, ist daher nicht immer ganz so einfach.

Es gibt äußerliche Ursachen, innerliche Ursachen und organische Ursachen, die eine Störung des Schlafes hervorrufen können.

äußere Ursachen für Schlafstörungen:

Ursachen, die von außen auf Dich einwirken, können z.B. sein:

  • Lärm
  • Hitze
  • Kälte
  • die Belastung durch Umweltgifte
  • schlechtes Essen / Fast Food
  • Schichtarbeit
  • Jetlag
  • ungünstige Schlafhygiene

Ursachen, die von außen auf Dich einwirken und Dein Körper belasten können, können, wie Du siehst, sehr vielfältig sein und sind oft auf den ersten Blick nicht erkennbar. Hierzu ein Beispiel aus dem Buch Schlafstörungen: Gesunder Schlaf – Gesundes Leben von Gerhard Bruns:

Die Mutter eines Grundschulkindes, dass sich wegen anhaltender Schlafstörungen und Alpträumen in Behandlung befand, berichtete in der Befragung über Ernährungs- und Trinkgewohnheiten des Kindes, dass es abends, vor dem Schlafengehen, immer eine Tasse Tee trinke. Die gesamte Behandlung über zwei Stunden hinweg erbrachte keine Auffälligkeiten und offensichtlichen Ursachen, die zu den Schlafstörungen des Kindes geführt haben. Erst nachdem der Psychiater genauer nachgefragt hatte, was denn das Kind das für Tee abends trinke würde und die Mutter antwortete, dass es Schwarzen Tee trinke, war die Ursache gefunden.

Also wie ihr seht, ist es manchmal nur ein kleines Detail, welches eine große Wirkung nach sich ziehen kann. Wer hätte schon gedacht, dass eine Mutter ihrem Kind abends Schwarzen Tee geben würde?

Innere Ursachen für Schlafstörungen:

Die inneren Ursachen für Schlafstörungen sind immer individuell und können grundsätzlich nicht verallgemeinert werden. Oft sind es auch mehrere Ursachen, die sich in sich verstärken und zu Schlafstörungen führen können.

Einige Ursachen hierfür können sein:

  • Stress
  • Ärger
  • Sorgen
  • Ängste
  • Erfolgsdruck
  • Leistungsdruck
  • antrainierter Schlafzwang
  • psychische Erkrankungen wie z.B. Depressionen

In meinem Fall hatte ich mir einen unbewussten Schlafzwang antrainiert. Mein Gehirn war so darauf programmiert, dass ich, wenn ich ins Bett gegangen bin, automatisch wach wurde. Mein Herz fing an zu rasen und, obwohl ich kurze Zeit vorher noch todmüde war, war ich plötzlich wieder hellwach.

Sind Euch die Gründe dafür einleuchtend?

Wenn nicht, schauen wir auf die Evolution zurück. Dort finden wir die Antwort. Der Mensch hatte früher die Aufgabe, sich sein Essen selbst zu jagen und sein Lager auch vor ungewollten Angreifern zu schützen. Das Gehirn kennt nur wach oder schlafen. Bei einer drohenden Gefahr sorgen Mechanismen im Gehirn dafür, dass Adrenalin ausgeschüttet wird und der Geist aufmerksam ist. Wenn also der Urmensch eine Gefahr wahrgenommen hat, war er sofort aufmerksam und kampfbereit und konnte erst dann wieder schlafen, wenn die Gefahr gebannt war und kein Angreifer mehr in Sicht war.

Und nicht anders ist es bei meinen antrainierten Schlafstörungen gewesen. Ich signalisierte meinem Gehirn eine Gefahr, indem ich mir wiederholt Gedanken über das nicht Einschlafen und meine Tagesform gemacht habe. Für das Gehirn ist das eine Gefahr, obwohl es sich vielleicht erstmal nicht danach anhört. Aber unser Gehirn ist primitiv und kann nicht zwischen einem angreifenden Säbelzahntiger oder der selbst kreierten Angst vor Schlafmangel unterscheiden.

Zum Schluss hätten wir noch die organischen Ursachen für Schlafstörungen

organische Ursachen für Schlafstörungen:

Sollte Dein Körper innerlich ein Problem haben, so gibt er Dir immer irgendwie ein Zeichen, dass etwas nicht stimmt. Auch Schlafstörungen können ein Zeichen dafür sein, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. Auf seinen Körper zu hören und die Zeichen richtig zu erkennen und zu deuten, ist auch hier der Schlüssel, um die daraus resultierenden Schlafstörungen zu beseitigen.

Es gibt körperliche Ursachen, wie:

  • Schmerzen
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Entzündungen
  • hormonelle Störungen
  • Restless-Legs-Syndrom
  • Schlafapnoe
  • Schnarchen

Die Aufzählung ist nicht abschließend. Die Ursachen können noch viel weitreichender und komplexer sein. Sie können ebenfalls nicht verallgemeinert werden.

Während z.B. ein Mensch mit chronischen Rückenschmerzen trotzdem in den Schlaf finden kann, kann es für einen anderen Menschen die Hölle sein. Je nach Schmerzempfinden kann der eine besser und ein anderer schlechter mit Schmerzen einschlafen.

Fazit:

Offenbar leiden viele Menschen unter Schlafstörungen. Die Ursachen dafür sind oft komplex und nicht auf den ersten Blick wahrnehmbar.

Höre auf Deinen Körper und lerne die Zeichen zu verstehen, die er Dir versucht zu geben. Dann kannst du entsprechend reagieren und findest hoffentlich auch die Ursache, die zu Deinen Schlafstörungen geführt hat.

 

Quellen:

Tilmann Müller,Beate Paterok: Schlaftraining: Ein Therapiemanual zur Behandlung von Schlafstörungen

Tatjana Crönlein: Schlafstörungen: Ursachen erkennen und behandeln

Stephan Volk: Schlafstörungen: und was dagegen hilft

Gerhard Bruns: Schlafstörungen: Gesunder Schlaf – Gesundes Leben

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

8 Antworten auf „Was sind Schlafstörungen? Ursachen und Formen“

  1. Hallo Marco, super Artikel und ein sehr großes Thema! Interessant finde ich deine Geschichte, die zeigt, wie das Bewusstsein an einem Problem festhält und der Körper entsprechend darauf reagiert. Das kennen wir, denke ich, alle, ob schlafbezogen oder auch andere Bereiche im Leben. Ich bin gespannt, auf deine weitere Geschichte und freu mich drauf, die nächsten Artikel zum Thema Schlaf zu lesen 🙂

    1. Schön zu hören Kerstin. Und ja, Du hast recht. Der Mensch lässt sich viel zu sehr von seinen bewussten Gedanken leiten und reagiert dementsprechend manchmal falsch auf bestimmte Situationen. So ist es auch mir bei meinen Schlafstörungen ergangen.

  2. Hi Marco,

    super blogpost!
    Kenne Schlafstörungen auch noch aus dem Schichtsystem….Üble Sache, habe damals zusätzlich auch viel Alltagsstress mit in den Schlaf genommen. Zum Glück gibt es viele erlernbare Methoden, um damit fertig zu werden!
    Lieben Gruß, Lars

    1. Genau so ging es mir auch. Wer im Schichtdienst arbeitet hat ein erhöhtes Risiko, an Schlaflosigkeit zu leiden. Wenn dann noch Stress und zu viele quälende Gedanken dazu kommen, ist es nicht verwunderlich, dass sich Schlafstörungen einstellen.
      Über die Methoden, die mir geholfen haben, wirst Du bald mehr lesen 😉

  3. Hallo Marco super das Du hier auf die Ursachen der Einschlafstörungen näher eingehst. Es ist so wichtig auf die Signale im Körper zu achten. Was hast Du gegen Deine Schlafstörungen unternommen. Lieben Gruss, Jutta

    1. Hallo Jutta, leider viel zu viel, was zunächst nicht geholfen hat 😉 Ich habe mein Leben fast völlig umgeworfen. Ich habe Ärzte aufgesucht, bin sämtliche Entspannungstechniken durchgegangen, habe Medikamente genommen, habe mir unzählige Rituale angeeignet usw., usw.
      Letztendlich half nur die Akzeptanz. Ich habe mich mit Bewusstsein beschäftigt, gelernt, meinen Körper zu beobachten und zu akzeptieren, was nicht zu ändern war. Ein langer weg des Neulernens, aber er hat sich gelohnt. Ich berichte hier bald ausführlich darüber. Bleib am Ball 😉

  4. Hey Marco, wahnsinnig interessanter Artikel zum Thema Schlafstörungen. Ich habe für mich einen Weg gefunden, wie ich diese ganzen Gedanken aus meinem Kopf verbannen kann, wenn ich mich nachts schlafen lege. Alles was mich vor dem Schlafen gehen beschäftigt, schreibe ich auf einen Zettel und dann ist es erstmal raus aus dem Kopf. Sei es der Arbeitsplan für den morgigen Tag oder Ärger mit der Familie oder dem Freund. Raus damit, so kann man seine Inneren Ursachen für die Schlafstörung etwas reduzieren. Funktioniert bei mir super! 🙂
    Liebe Grüße Chrissy

  5. Juhu Chrissy,
    sehr gut. So ist es genau richtig. Bei mir funktioniert das auch super. Gerade den kommenden Tag am Abend zu strukturieren finde ich sehr hilfreich. So mache ich mir nämlich keine Gedanken mehr, dass ich etwas vergessen könnte.
    Ich habe aber auch schon gehört, dass es bei manchen Leuten nicht funktioniert. Jeder muss da seinen eigenen Weg finden. jedoch ist der wichtigste Schritt schon mal, dass man registriert, dass der denkende Verstand sehr schnell mit der heutigen Informationsflut überlastet ist und etwas dagegen unternimmt.

    LG zurück
    Marco

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